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Antischimmelfarbe

Welche Antischimmelfarbe hilft und welche nicht?


1. Vorbemerkung zu Antischimmelfarben.

Antischimmelfarben liegen momentan voll im Trend der Zeit. Nahezu jeder große Farbhersteller hat in den letzten Jahren sein Sortiment um mindestens eine Antischimmelfarbe erweitert.

Ob in Wohnzimmer, Bad, Küche, Keller oder anderswo, gerade heutzutage gewinnt das Thema Schimmel und Schimmelbefall immer mehr an Brisanz. Wohnraumschimmel tritt immer häufiger auf. War dieses Phänomen in vergangenen Generationen eher unbekannt, gehen führende Baubiologen heutzutage davon aus, dass in nahezu der Hälfte unserer Bausubstanz ein Schimmelproblem besteht.

Mietwohnungen, Ein- und Zweifamilienhäuser sind genauso betroffen wie Lagerhallen, Bürogebäude ja, sogar auch Krankenhäuser werden nicht verschont. Die vielfältigen negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit sind mittlerweile unbestritten und viele hundert allergieauslösende oder toxische Substanzen wurden festgestellt. Beinahe wöchentlich wird diese Liste um weitere Gifte erweitert.

Eines sei an dieser Stelle einmal klar festgestellt, wurde erst einmal Schimmel festgestellt, hilft auch die Beste Antischimmelfarbe oft nicht mehr. Dann muss zuerst durch den Fachmann saniert werden. Die Schimmelbeseitigung oder Schimmelbkämpfung muss auf jeden Fall fachgerecht durchgeführt werden. Bestimmte Farben sind zwar in der Lage den Schimmel zuverlässig abzutöten, bei vielen Schimmelarten sind aber gerade die hier entstehenden Abbauprodukte noch gefährlicher, als der Schimmel zu seinen "Lebzeiten". Der Abbauprozess abgestorbener Mycelien kann Jahrzehnte dauern und so lange können auch akute Gesundheits- und Vergiftungsgefahren für die Bewohner bestehen.

Wenn eine Antischimmelfarbe also einen Sinn macht, dann nicht unbedingt bei einem schon vorhandenen Schimmelbefall, sondern als Prävention an den Stellen, wo zum Beispiel eine Wärmebrücke besteht und die Gefahr von Kondenswasserbildung gegeben ist. Des Weiteren kann so eine Farbe in Waschküchen, in Bädern oder zum Beispiel auch an Innenwänden, die von Außen durch einen Baum beschattet werden durchaus Sinn machen. Über die genannten Möglichkeiten hinaus sind noch viele weitere Möglichkeiten denkbar.

Eine Schimmelsanierung kann man damit aber nicht durchführen.

Verschiedene Antischimmelfarben beruhen auf verschiedenen Wirkprinzipien, wobei jede Farbe meist nur einem Wirkprinzip folgt.


2. Die Wirkprinzipien von Antischimmelfarbe.

Wirkprinzip 1, die anorganische Antischimmelfarbe.

Wie auf der Themenseite Schimmel schon festgestellt, benötigen Schimmelpilze für Entwicklung und weiteres Wachstum zwei Grundlagen, Feuchtigkeit in Dampf- oder Tropfenform und einen organischen Untergrund. Dies kann zum Beispiel eine Dispersionsfarbe, eine Tapete, Holz, Ruß, Fett o. ä. sein. Fehlt eines davon, kann sich der Schimmelpilz nicht entwickeln geschweige denn, wachsen.

Sowohl die Kalkfarbe, als auch die Silikatfarbe sind anorganisch. Sie enthalten keine organischen Bestandteile und somit fehlt eine der beiden Faktoren. Zudem ist ihr pH-Wert über 8,5, was eine zusätzliche Sicherheit für den Fall darstellt, dass sich Pollen oder Stäube im Laufe der Zeit auf der Farbe ablagern sollten. Gerade bei einer Silikatfarbe ist aber darauf zu achten, dass es sich nicht um ein so genanntes "Dispersionssilikat" handelt. Zur besseren Verarbeitbarkeit enthält es nämlich einen geringen Anteil (5% - 8%) organische Bindemittel, meist Acrylharz und dieses kann wieder schimmeln. Zudem ist von silikatischen Bindemitteln bekannt, dass es in seltenen Fällen zu Unverträglichkeiten kommen kann. Besonders kleine Kinder sind allergiegefährdet. Von Kalkfarben sind uns bisher keine Unverträglichkeiten bekannt geworden. Darüber hinaus wirken sie auf natürliche Art und Weise desinfizierend. Gerade in der Landwirtschaft war früher dieser Effekt sehr begehrt. Ein Nachteil der Kalkfarbe ist vielleicht ihr recht schwaches Bindevermögen. Wer bei einer Antischimmelfarbe auf ein natürliches Wirkprinzip Wert legt, sollte also auf eine reinmineralische, also anorganische Farbe zurückgreifen.

Wirkprinzip 2, die giftige Antischimmelfarbe.

Fungizide, so nennt man die Substanzen, die gegen den Schimmelpilz wirken. Glaubte man lange Zeit, dass sie tatsächlich ihren Zweck erfüllen und nur auf Schimmel wirken, so weiß man es heute besser. Gifte, fast egal in welcher Form wirken auch auf den Menschen. Dazu zählen natürlich auch die Giftstoffe, die einer Antischimmelfarbe zugesetzt werden. Wie stark sie auf den Menschen wirken, ist zum einen eine Frage der Kontakthäufigkeit, zum anderen auch eine Frage des Betroffenen an sich. Einige reagieren extrem empfindlich, andere wiederum haben eine hohe Toleranzschwelle; es gibt keine Regel aus der man ableiten kann, in welcher Konzentration ein Fungizid in einer Antischimmelfarbe schädlich ist oder nicht. So ist auch manch ein Grenzwert eher geschätzt, als wissenschaftlich ermittelt. Man nehme also eine normale Dispersionsfarbe, gebe eines oder mehrere Fungizide hinzu und fertig ist die Antischimmelfarbe. Ist das wirklich so einfach?

Im Prinzip leider ja. Dazu bedarf es noch nicht einmal eines teuren Spezialproduktes. Im Fachhandel sind immer noch diverse Fungizide käuflich zu erwerben und jeder Maler kann mit diesen fröhlich sinnvolle oder auch gefährliche Dinge tun. Nach dem Motto viel hilft viel werden Dosierungsempfehlungen nicht beachtet, zum Teil direkt auf unsanierte mit Schimmel befallene Stellen gestrichen; es darf ja nichts kosten und Hauptsache es ist anschließend weiß. Nach einiger Zeit sind die Biozide zersetzt oder in die Raumluft übergetreten und das Spiel beginnt von neuem. In der Zwischenzeit leiden die Bewohner vielleicht unter Schlafstörungen, Herzrasen, Haarausfall, Infektanfälligkeit oder schlimmerem. Beim Abfüllen einer Farbe sagte mir einmal ein Verantwortlicher scherzhaft aber wörtlich: "Wenn das rauskommt, was da reinkommt, gehen wir so lange rein, dass wir nie wieder rauskommen."

Die neue EU Chemikalienverordnung REACH wird diesem munteren Treiben hoffentlich ein Ende setzen.

Es hat doch schon etwas Paradoxes: zur Schimmelbekämpfung nimmt man ein organisches Bindemittel (meist Acrylat), dass dem Schimmel reichlich Nahrung bietet und damit es nicht schimmelt fügt man giftige Substanzen hinzu.


Wirkprinzip 3, die funktionelle Antischimmelfarbe.

Nanotechnologie - das ist das Stichwort unseres Jahrzehnts. Neu, aufregend und mit faszinierenden Möglichkeiten. Es ist klar, dass diese Entwicklung an Farben nicht vorüber gehen kann.  Immer mehr Hersteller eine Antischimmelfarbe mit zugesetzten Nanoteilchen auf den Markt.

Stichwort Photokatalyse.
Titandioxyd dient in guten Farben normalerweise als lichtstabiles Pigment für weiß. Es besitzt eine hinreichend gute Deckkraft und baut sich z. B. durch UV-Einwirkung nicht ab. Reduziert man die Größe der Moleküle vom Titandioxid jedoch bis in den Nanobereich gewinnt dieses Pigment jedoch eine faszinierende Eigenschaft hinzu. Es wird photokatalytisch. Das bedeutet, unter Lichteinwirkung entstehen in der direkten Umgebung so genannte freie Radikale und diese zerstören organische Anhaftungen. Für eine Kellersanierung sicher weniger geeignet weil überwiegend zu dunkel, kann die Verwendung einer Antischimmelfarbe mit Nano-Titandioxyd in Wohnräumen mit ausreichend Fensterfläche, schon Sinn machen.

Stichwort Silber.
Wie haben wir das gehasst. Kaum hatten wir als Kind einmal Halsweh, stand auch schon die Oma vor uns und schob uns einen Silberlöffel in den Hals. Gott, wie das Teil schon schmeckte - es war widerlich, half nie sofort, aber dann doch irgendwie sehr zuverlässig. Silberatome sind hoch reaktiv und schädigen dadurch die Zellwände, auch die von Bakterien. Genau das war das Wirkprinzip. Silberpartikel aus dem Nanobereich wirken vielfach stärker. Vermischt mit einer Farbe verhindern sie nach Herstelleraussagen sehr zuverlässig jegliches Wachstum von Schimmel oder Bakterien. Mit einem Literpreis ab 20 Euro zwar für eine Antischimmelfarbe sehr teuer, aber in der Wirkung effektiv.


Nanopartikel haben faszinierende Eigenschaften. Kohlenstoff zu Beispiel wird elektrisch leitfähig; die im Verhältnis zum Volumen extrem vergrößerte Oberfläche dieser Partikel lässt das Element auf einmal völlig anders reagieren als gewohnt. Eigentlich trifft das auf fast jeden festen Stoff unseres Periodensystems zu. Ungeklärt ist oft aber die tatsächliche Auswirkung auf den Menschen. Erinnern wir uns nur einmal an die Gefährlichkeit von Asbest. Nanopartikel sind ebenfalls so klein, dass sie in die Lunge gelangen können. Was macht Titandioxyd dort? Was macht Silber oder Kohlenstoff mit der Lunge? Gibt es Langzeiterfahrungen und Studien neutraler Institute? Oder können Partikel in Nanogröße so gefährlich sein wie Asbest oder Feinstaub? Kann es sein, dass in einigen Jahren die Arztpraxen voll sind auf Grund von Nanoteilchen in einer Antischimmelfarbe? Noch sind sehr viele Fragen zu beantworten.

3. Schlussbemerkung

Sicher sind hier nur die gebräuchlichsten Prinzipien und Bindemittel aufgeführt, auf Exoten wurde verzichtet. Eines sollte aber klar geworden sein, die Ideale Antischimmelfarbe, die universell einsetzbar ist, die gibt es nicht. Sogar der Einsatz einer fungizid ausgerüsteten Farbe kann in bestimmten Fällen Sinn machen. Genau wie die Schimmelsanierung selbst, gehört aber auch die Verwendung derartiger Antischimmelfarben in die Hände von erfahrenen Fachleuten. Vor allen Maßnahmen sollte aber immer eine neutrale Bauberatung erfolgen. Nur so ist sichergestellt, dass auch die Ursachen der erhöhten Feuchtigkeit, ohne die der Schimmel nicht entstehen kann, erkannt und abgestellt werden können. Oftmals entfällt damit auch die Notwendigkeit, derartige Farben überhaupt erst einsetzen zu müssen.


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