Kellersanierung und Kellertrockenlegung.

Ein feuchter Keller, welches Verfahren ist denn das richtige und beste zur Kellertrockenlegung?

1 Vorbemerkung zur Kellersanierung.

Für seine Kellersanierung sucht der Verbraucher gerne das „ideale“ Verfahren. Schnell soll die Sanierung des Kelles sein, preiswert soll es sein – je billiger, desto besser – und natürlich soll die Kellertrockenlegung möglichst lange halten. Feuchte Wände im Keller waren früher bauartbedingt, heute haben sich die Ansprüche der Menschen geändert und der feuchte Keller stört. Kellertrockenlegung nimmt unserer Meinung nach fast die Ausmaße eines Volkssports an und auch dort wird ein feuchter Keller vermutet, manchmal fast herbei gewünscht, wo gar keiner ist. Auslöser sind nicht zuletzt Horrorgeschichten über nasse Wände, aufsteigende Feuchte im Mauerwerk, Putzversalzung und Salpeter im Mauerwerk. Ein feuchter Keller geht natürlich oft auch mit Salpeter im Mauerwerk einher, aber das allein lässt keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Notwendigkeit einer Kellersanierung zu.

1.2 Grundlagen für den Sanierungserfolg.

So vielfältig wie die Ursachen der Feuchte im Keller, vielmehr die Feuchte in der Kellerwand, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten einen Keller zu sanieren.. Das ultimative Kellersanierung, die Mauerwerkstrockenlegung, richtigerdeise Kellertrockenlegung, die gegen alles hilft, die gibt es nicht. Die ultimative nachträgliche Kellerabdichtung ist wohl mehr Mythos der Indiustrie und ihrer vielen Außendienstmitarbeiter, als Wahrheit. Der Handwerker mit seinen ausbildungsbedingt sehr geringen von Bauphysik und Bauchemie wird unwissentlich zum willfährigen Helfer. Erweist sich die Sanierung des Kellers als tatsächlich notwendig, hängt der Sanierungserfolg nicht zuletzt von der Auswahl des geeigneten Verfahrens, der Auswahl des Handwerkers und der Menge an Geld ab, welces man bereit ist, zu bewegen. Geld ist hier ein ganz wichtiger Faktor. Unserer Erfahrung nach scheitern mehr als 70% aller Kellersanierungen in selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern nicht an der grundsätzlichen Sanierungsbereitschaft der Eigentümer, sondern an ihrem Unwillen genügend Geld für die Kellertrockenlegung auszugeben!

Das Kilo eines normalen Kalkzementputzes kostet im Baumark im Angebot oft unter 10 Eurocent. Der ist aber nur für trockene Untergründe geeignet, also für Neubauten, trockene Erd- und Obergeschosse aber nicht für feuchte Wände oder gar zur Bauwergsabdichtung. oder, im Falle von Salpeter im Mauerwerk, zur Aufnahme und Speicherung der Salze. Putze die das können bekommt der Fachverarbeiter entweder im Baustoffhandel oder in komplizierten Fällen, direkt beim Hersteller. Je nach Belastung die eine Dichtschlämme, ein Entfeuchtungsputz, ein Sperrputz oder ein WTA-Putz aushalten muss, betragen die Kosten je Kilogramm im Schnitt zwischen € 1,20 und € 3,50. Bei einem Materialbedarf zwischen 20 und 35 kg je Qudratmeter kann sich jedermann ausrechnen, was ein feuchter Keller im günstigsten oder im ungünstigsten Fall allein an Materialkosten verursachen kann.

Den Keller abdichten kostet so oser so sehr viel Geld. Alle Materialien zur Bauwerksabdichtung sind sehr teuer, weil sie besonderen Belastungen stand halten müssen, besonders aber bei einer Kellerabdichtung von innen. So manche Kellersanierung kostet den doppelten Preis und mehr, zu dem das Haus vor Jahrzehnten gebaut oder gekauft wurde.

2. Aufsteigende Feuchte.

Auch wird heutzutage allzu vorschnell die Diagnose Aufsteigende Feuchte gestellt und allerlei Mittel und Verfahren empfohlen um genau das zu verhindern. Natürlich preist jeder Hersteller, Vertreiber oder Handwerker gerade sein eigenes Verfahren der Kellersanierung als das einzig Beste an. Kein Wunder, er lebt vom Verkaufen und nicht von der Beratung.

2.1 Was ist aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk?

Aufsteigende Feuchtigkeit kann man sich so vorstellen: Ähnlich wie in einem Schwamm soll sich das Mauerwerk von unten nach oben mit Wasser voll saugen. Mit dem Begriff aufsteigende Feuchte ist also ein Kapillareffekt gemeint. Das dies auch in einem Mauerrwerk genau so funktionieren soll, entstand aber ehemals vielleicht eher aus Verkäuferphantasie, denn aus tatsächlichen Material- und bauphysikalischen Kenntnissen. Damit dieser Kapillareffekt, überhaupt nennenswert funktioniert, bedarf es eines sehr dünnen Transportmediums. Schon bei einem Durchmesser der Kapillare von nur 0,1 mm ist nach ca. 14 cm urplötzlich Schluss mit der aufsteigenden Feuchte. Die Schwerkraft verhindert ganz einfach jedes weitere aufsteigen von Feuchtigkeit. Zudem versagt dieser Effekt beim Übertritt von einem feinstofflichen Medium (Ziegel- oder Mauerstein) zum grobstofflichen (Mauermörtel) völlig. Ganz genau so, wie bei jedem Schwamm auch. Durch die im Mauermörtel enthaltenen sehr großen Luftkammern wäre zudem ohnehin nach wenigen Millimetern Schluss mit aufsteigender Feuchtigkeit. Nur wenige Mauerwekskostruktionen lassen hier eine Ausnahme zu.

Das Phänomen aufsteigende Feuchte ist also im wesentlichen auf wenige sehr feinstoffliche Baustoffe ohne Mörtelfugen begrenzt, beziehungsweise auf sehr seltene Fälle bei denen der Mörtel definitiv viel zu hohen Feinkornanteil besitzt.

2.2 Baumärchenstunde und Horizontalsperren.

Nasse oder feuchte Wände beruhen also äußerst selten auf Kapillarkräften. Insofern bringt die bei (vermuteter) aufsteigender Feuchtigkeit immer empfohlene Horizontalsperre genau so selten einen praktischen Nutzen. Unter Zuhilfenahme der Wekstoffkennziffern kann das eigentlich jeder Achtklässler leicht berechnen. Auf dieser Basis eine Kellertrockenlegung oder komplette Kellersanierung zu planen ist unserer Meinung nach mehr als grenzwertig. Dadurch aber das es auf den ersten Blick so logisch und einleuchtend klingt, gehört es wohl zu den Baumärchen, die nicht auszurotten sind. Feuchte Wände haben andere Ursachen und trotzdem wird bei fast jeder Sanierung eines Kellers einmal eine Horizontalsperre allein oder in Kombination angeboten. Warum? Ganz einfach, viele so genannte Fachbetriebe können nichts anderes und in Kombination mit den RICHTIGEN Maßnahmen schadet eine Horizontalsperre nichts. Naja, außer vielleicht ihrem Geldbeutel.

2.3 Wenn aufsteígende Feuchte im Keller nicht die Ursache ist, was ist es dann?

Neben so banalen Schäden wie z. B. defekte Abwasserverrohrungen, defekten Grundrohren der Dachentwässerung Fassaden- oder Sockelschäden ist am Häufigsten die sog. Mauerwerksversalzung für das als Aufsteigende Feuchte diagnostizierte Schadensbild verantwortlich.

Diese funktioniert wie folgt: Bestimmte Baustoffe, wie Zement, einige Kalke oder Kaliwasserglas bilden Salze, schon in Verbindung mit kleinen Mengen Feuchtigkeit. Es muss oft noch nicht einmal Kondenswasser sein, Luftfeuchtigkeit reicht vielfach schon aus. Diese Salze wollen in Lösung (Hygroskopie) und binden dadurch weitere Feuchtigkeit, die wiederum noch mehr Salze löst. Ein Effekt also, der sich immer weiter beschleunigt und nahezu zwingend in einer Kellersanierung mündet.

Dispersionen und Siliconharzfarben sind genau das, was ihre Hersteller immer wieder behaupten. Sie sind diffusionsoffen und zwar in beiden Richtungen. Luftfeuchte wird so auch in geringen Mengen in den Untergrund hineingelassen, kann aber bei Erwärmung des Untergrundes nicht schnell genug hinaus, da sie kapillar nicht oder nur sehr, sehr langsam leiten. Eine Abdunstung wird so behindert. Das führt irgendwann zu Ablösungserscheinungen. Ist der Versalzungseffekt weit genug fortgeschritten, lösen sich Neuanstriche oft schon nach wenigen Monaten wieder ab, die Wand und Putz sind im unteren Bereich dauerfeucht (Hygroskopie).

Eine Prüfung von Mauerwerk und Bauart in Verbindung mit einer chemischen Analyse klärt schnell, ob es sich um aufsteigende Feuchte, einsickernde Feuchte, eine Mauerwerksversalzung oder um andere Ursachen handelt. Anderenfalls kann die Kellersanierung kostenmäßig schnell zu einem Fass ohne Boden geraten.

2.4 Zweifel

Ist es denn bei einer Kellersanierung in jedem Fall erforderlich ein feuchtes Mauerwerk trocken zu legen? Immer wieder treten Besitzer älterer Häuser mit der Bitte an uns heran, ihren Keller fachgerecht trocken zu legen. Bei der Besichtigung vor Ort stellt sich dann oft genug heraus, es handelt sich um einen reinen Nutzkeller, ein Umbau zur Wohnfläche war und ist nie geplant und durch mangelnde Deckenhöhen oft auch nicht möglich. An den Wänden ist Zementputz, gestrichen mit Dispersionsfarbe. Sie sind versalzen. Schimmel hat sich gebildet und es stinkt bestialisch. Diese Geruchsbelästigung entsteht oft nicht nur durch den Schimmlbefall, sehr häufig geht dieser einher mit einer Vielzahl von Bakterien. Besonders einige der anaeroben Bakterien können äußerst üble Gerüche erzeugen.

Bei näherem Hinsehen entpuppt sich das Mauerwerk oft als Naturstein- oder Ziegelmauerwerk, das nie eine Abdichtung gegen Erdfeuchte (Vertikalabdichtung) gesehen und wohl auch niemals eine nötig haben wird.

Irgendwer hat den armen Bauherren aber mal erklärt, dass Feuchtigkeit der Bausubstanz großen Schaden zufügt und er glaubt felsenfest daran.

Betrachten Sie sich aber einmal aufmerksam historische Bauwerke. Salzausblühungen, Schimmel und schlimmer noch, Verfall, stellen Sie in aller Regel dort fest, wo moderne Baustoffe wie Zement, Kaliwasserglas Dispersionen u. ä. beteiligt sind. Betonierte Flächen im Außenbereich reichen oft schon.

Welche Lösung der Kellersanierung wird er nun bevorzugen? Von außen aufgraben? Zu teuer und zu riskant. Hinzu kämen ja noch die Kosten einer Horizontalsperre, sowie die der Wandsanierung.
Die andere Lösung aus Schimmelsanierung und völliger Freilegung des Mauerwerks mit z. B. einem optionalen Kalkputz ist dem armen Bauherrn zu altbacken. In seiner Vorstellungswelt stellt die Feuchtigkeit die Wurzel allen Übels dar, und nicht die in diesem Fall ungeeigneten Zementputze und Farben.

So wird er nicht nur zum Opfer ungeeigneter Methoden zur Kellersanierung, sondern in gewisser Weise auch zum Mittäter.

Der Sanierungsmarkt ist groß, vor allen Dingen ist er total unübersichtlich. Nicht nur Altbauten, auch Neubauten, insbesondere Niedrigenergie- und Passivhäuser, haben zunehmend ein Problem mit Feuchtigkeitsbelastungen und damit verbunden auch Salzausblühungen und in besonderem Maße Schimmel. Die Ursachen sind so verschieden, wie die Bauweisen. Verfahren zur Schimmelbeseitigung oder Schimmelbekämpfung sind nachstehend nicht beschrieben. Feuchtigkeit und Schimmel sind sanierungstechnisch heutzutage zwar kaum mehr zu trennen, die Themen im Zusammenhang mit Schimmelpilz müssen aber ausgliedert werden, dieser Artikel würde sonst zu umfangreich. Folgen Sie einfach den Links um zu den entsprechenden Themenseiten zu gelangen.

3 Kellersanierung, Verfahren gegen aufsteifende Feuchte.

3.1 Einleitung, geeignete und ungeeignete Verfahren.

Konnte eine baustoffbedingte „Mauerwerksversalzung“ durch eine gründliche Untersuchung des Baukörpers tatsächlich ausgeschlossen werden, stehen viele Hausbesitzer, Architekten und Behördenvertreter stehen vor der Frage, welches Verfahren gegen aufsteigende Feuchtigkeit für welches Gebäude geeignet ist. Dabei gibt es grundsätzliche Unterschiede: z.B. mechanische Trennungen; Injektionen oder so genannte elektrophysikalische Verfahren.

Diese Techniken können, sofern für das jeweilige Gebäude geeignet, selbstverständlich auch miteinander kombiniert werden. Stets aber muss von Fall zu Fall sorgfältig geprüft werden, welche Methode für welches Objekt sinnvoll ist.

Nachstehend werden die wichtigsten Verfahren kurz beschrieben. Der Vollständigkeit halber nennen wir auch unwirksame Verfahren. Anschließend behandeln wir vergleichend einige Risiken um danach die Schwierigkeit herauszuarbeiten geeignete Verfahren und Fachfirmen auszuwählen.

3.2 Mauerwerksaustausch und Unterfangung.

Hier handelt es sich um das traditionelle Verfahren, das von allen Bauunternehmen und sehr oft auch mehr oder minder erfolgreich in “Eigenleistung” durchgeführt werden kann. Dabei entfernt man Stück für Stück des Grundmauerwerkes und ergänzt es entweder durch Beton oder durch neues Mauerwerk (einschl. einer Abdichtung).

Bei einer Variante wird der Mauerwerksquerschnitt über dem Fundament oder über dem Gelände ausgebrochen und anschließend eine Dichtungsunterlage (als Sauberkeitsschicht) hergestellt. Darauf kommt eine Abdichtung, und der Rest wird entweder ausbetoniert oder ausgemauert.

3.3 Das Mauersägeverfahren.

Mit einer Schwert-, Seil- oder Kreissäge wird ein Schnitt im Mauerwerk hergestellt. Dabei ist es möglich, trocken oder nass zu schneiden.

Diese Schnittfuge ist je nach Sägeverfahren 4 bis 15 mm dick. Anschließend wird die Abdichtung, meistens aus Edelstahlplatten, glasfaserverstärktem Polyester oder aus Polypropylen eingebaut. Um die Lastübertragung zu sichern, werden die Schnitte in der Regel nach dem Einlegen der Abdichtung verkeilt. Anschließend werden die Schnittfugen an der Innen- und Außenseite provisorisch abgedichtet und der Hohlraum mit Quellmörtel verpresst.

3.4 Das Einschlagen von Chromstahlplatten (nicht rostend).

Ohne Öffnung der Mauer wird eine ca. 1,5 mm dicke gewellte Platte eingeschlagen. Voraussetzung ist hier eine mehr oder möglichst durchgehende Mörtelfuge.

Der Baustoff selbst ist bei dieser Methode nicht wirklich entscheidend, da Setzungen nicht auftreten können. Die Platten werden ohne vorheriges Öffnen in die Mörtelfuge eingeschlagen und der Mörtel wird einfach nach oben oder unten verdrängt bzw. verdichtet.

Dieses seit fast fünfundzwanzig Jahren bewährte Verfahren hat sich als eines der preisgünstigsten und sichersten überhaupt erwiesen. Zur Verminderung der Oberflächenreibung und Erhöhung der Durchdringungsgeschwindigkeit werden zunehmend häufig Chromstahlplatten verwendet, die angespitzt, bzw. keil- und/oder pfeilförmig zugeschnitten sind. Dadurch wird die Durchdringungsgeschwindigkeit erhöht und die Oberflächenreibung vermindert.

3.5 Bohhrverfahren mit Überlappung (aneinander gereihte Kernbohrungen).

Hierbei werden Löcher gebohrt (meistens mit einem Durchmesser von 8-12 cm) und so angeordnet, dass durch ihre Überlappungen eine durchgehende Mauertrennung erfolgt. Diese Bohrlöcher werden anschließend mit einem dichtenden und quellfähigen Mörtel wieder ausgefüllt und somit eine meist sichere Abdichtung erzielt.

3.6 Injektionsverfahren.

Eine andere Form der Abdichtung im Mauerwerkquerschnitt wird mit Injektionsverfahren erreicht. Sie werden oft, weil das Injektagemittel über Bohrlöcher eingebracht wird als „Bohrlochverfahren“ bezeichnet. Dabei bohrt man Löcher in die Wand und füllt sie mit sehr unterschiedlichen Injektionsmitteln unterschiedlicher Konsistenz. Am wohl bekanntesten sind Injektionslösungen auf der Basis von Kaliwasserglas, Polyurethanen (PUR) oder Paraffin. Insbesondere Kaliwasserglaslösungen geraten zunehmend in die Kritik, da in Verbindung mit bestimmten Baustoffen unerwünschte chemische Reaktionen auftreten können. Im zunehmenden Maße wird auch über schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen der Bewohner (Allergien), bis hin zur Arbeitsunfähigkeit berichtet.

Die Wirksamkeit einer solchen Sperre gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit hängt nicht nur von der Wahl des Injektionsmittels und dessen Wirkungsweise (kapillarverstopfend, kaplillarverengend), sondern auch der Ausführungsart ab. So sind z.B. Abstand, Tiefe und Durchmesser der Bohrlöcher von entscheidender Bedeutung, und außerdem, ob der jeweilige Stoff mit oder ohne Druck und in der ausreichenden Menge eingebracht wird. Der zeitliche Aspekt ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, denn die Injektionsmittel benötigen eine gewisse Zeit, um sich zu verteilen. Sehr oft erfolgt eine Aushärtung des Mittels, weit bevor eine Materialdurchdringung erreicht werden konnte, was zu einer gewissen Wirkungsarmut, bis hin zur Wirkungslosigkeit führen kann. Besonders betroffen hiervon sind die über Baumärkte vertriebenen „Do it yourself“ Produkte zum einsickern ins Mauerwerk.

Die Viskosität der Injektionsmittel ist ebenfalls zu berücksichtigen. Soll eine Kapillarverstopfung oder eine Hydrophobierung, erzielt werden? Sehr oft ist beides erwünscht.

Eine vorherige fachkompetente Prüfung, sowohl des Feuchte- als auch des Salzgehaltes ist genauso wichtig wie die „Verträglichkeit“ der Injektionsmittel mit dem Baustoff.

Ein namhafter Hersteller hat 1995 in einer Broschüre für ein neues Injektionsmittel darauf hingewiesen, dass die meisten der auf dem Markt bekannten Produkte, die bisher eingesetzt wurden, entweder feuergefährlich, geruchsbelästigend, überteuert oder sogar extrem gesundheitsschädlich waren. Die erheblichen Preisunterschiede stören angesichts dieser beängstigenden Auflistung kaum.

Nicht alle Injektionsmittel sind jedoch für die Unterbrechung der kapillaren Saugfähigkeit geeignet. Die Produkte, die heute angeboten werden, sollten von unabhängigen Prüfinstituten auf einwandfreie Funktion und Unschädlichkeit genau geprüft sein, was oben beschriebene Probleme (unerwünschte chemische Reaktionen) aber immer noch nicht ausschließt.

Eine Vielzahl von Zuschlagstoffen, die in Mörteln oder Putzen enthalten sind, brauchen nicht deklariert werden. Selbst erfahrenen Architekten und Handwerksbetrieben sind sie unbekannt. Nicht ganz zu Unrecht berufen sich Hersteller auf das „Rezepturgeheimnis“ und deklarieren nur das, was sie gesetzlich unbedingt müssen.

3.7 Entfeuchtungsputz

Der Name dieses Verfahrens klingt zwar viel versprechend, aber sachlich falsch. Kein Patent konnte bisher für die Trockenlegung einer Mauer garantieren! Ähnlich dem Effekt der Röhrchen (aus den 50er und 60er Jahren bekanntes Verfahren) soll dieser Verputz durch eine bessere Verdunstung die Mauer trocknen. Doch es wird nur der Kreislauf angeregt. Was schneller verdunstet, kommt umso schneller nach. Ob diese Putze also der Weisheit letzter Schluss ist, wage ich zu bezweifeln, denn es werden nicht nur Wasser, sondern auch Salze auf diese Weise beschleunigt nachtransportiert.

Entfeuchtungsputze entfeuchten nicht, sie wirken bestenfalls ähnlich wie ein Sanierputz .

Sehr oft ist eine solche Kellersanierung mit einem Entfeuchtungsputz nur deswegen erfolgreich, weil es sich nur um Kondenswasserbildung aus Gründen einer Mauerwerksversalzung oder einer falschen Nutzung handelte oder um technische Schäden, wie beispielsweise eine undichte Regenrinne. Möglicherweise wurden auch Fugen abgedichtet, die Heizung an der richtigen Stelle angebracht, die Fassade gestrichen usw. – und somit ist der eigentliche Schaden beseitigt. Es ist dann sehr leicht zu suggerieren, dass die Pseudotrockenlegung den entsprechenden Erfolg gehabt hat. Bis man erkennt, was wirklich geschehen ist, vergehen meist Jahre.

3.8 Sperrputz, Dichtschlämme.

Auch diese werden dem unerfahrenen Bauherrn immer wieder von sog. „Fachfirmen“ als Problemlösung, gerade zur Kellersanierung, empfohlen. Da sie aber lediglich auf der Wandoberfläche aufgebracht werden, sind sie nicht in der Lage einen kapillaren Feuchtetransport in der Wand selbst, zu unterbinden. Ein Schwindel also? Jedenfalls im Zusammenhang mit aufsteigender Feuchte. Zumindest aber unterbinden sie den Wassertransport nach innen, wenn sie fachgerecht ausgewählt und verarbeitet werden. Ein weiteres Problem sind „weiche“ Mauerwerke, wie in Naturstein- oder Ziegelkellern. Sie arbeiten und schnell kann es zu Rissen im Sperrputz kommen.

Im Abschnitt Verfahren gegen Erdfeuchte werden sie näher beschrieben.

3.9 Elektro-Osmose.

Eine weitere Verfahrensvariante der Kellersanierung gegen aufsteigende Feuchte, die immer wieder in mehr oder weniger modifizierter Weise auftaucht, ist die “Trockenlegungsart” durch „Elektro-Osmose“ (mit Hilfe elektrischer Energie soll das Wasser in das Erdreich zurückgedrängt werden) oder anderer elektrophysikalischer Methoden.

Dabei sind viele Parameter entschlüsselt, die “Saugfähigkeit” der meisten Baustoffe ist gut erforscht. Diese ergibt sich aus den Parametern:

  • Anzahl, Art und Lage der Kapillaren,
  • deren Durchmesser, nach Größe und Häufigkeit eingeteilt und
  • Oberflächenbenetzung der Kapillaren.

Mit Hilfe von Versuchen lässt sich nun ermitteln, in welcher Zeiteinheit, wie viel Liter Wasser “aufgesaugt” werden, und außerdem, wie hoch diese Feuchtigkeit, in welcher Zeit aufsteigen wird.

All das sind einfache physikalische Werte. Die Ergebnisse sind verbindlich und auch von Laien nachvollziehbar. Jeder korrekt durchgeführte Kontrolltest bestätigt diese Ergebnisse eindeutig.

Kurz gesagt: In der Praxis funktioniert dies alles nicht. Es ist aber erstaunlich, wie viel „Fachleute“ immer noch daran glauben. Nicht jeder, der sich Fachmann nennt, versteht auch etwas von diesem Fach; zudem versteht der Hausbesitzer im Allgemeinen wenig von Elektrophysik – deswegen ist das Verfahren so ausführlich beschrieben.

3.9.1 Ergänzungen für Fachleute.

Wird nun die Saugfähigkeit ermittelt, ergibt sich aus den vorgenannten Fakten eine rechnerische Saugleistung von plus/minus 60 Volt. Natürlich kann man sich darüber streiten, ob im Einzelfall 30 oder besser 90 Volt richtig sind. Selbst einem Laien muss aber schnell klar werden, dass eine größere Kraft aufgewendet werden muss, als allein die der Saugfähigkeit. Somit ist es nicht nachvollziehbar, dass mit irgendeinem elektrophysikalischen Verfahren, dessen Leistung z.B. 5-10 Volt geringer ist als die der Saugfähigkeit, ein wirksamer Effekt zu erzielen sein soll. In manchmal fast betrügerischer Weise wird auch versprochen, mit so genannten Erdstrahlablenkgeräten, zum Teil primitivster Bauart, eine Trockenlegung zu erwirken.

So gibt es noch andere bekannte Größen, die eine Funktion verhindern. z.B. das Zetapotential, nämlich der Effekt, der dadurch entsteht, dass eine Ladungstrennung an den Kapillaroberflächen stattfindet, sobald Flüssigkeit in einer Kapillare transportiert wird. Dabei stehen die Effekte des Saugens die bei Ziegel und Kalkmörtel in einem umgekehrten Verhältnis zueinander stehen.

Eine weitere Problematik ergibt sich aus dem bekannten Effekt, dass Wasser bei Anlegen von Spannungen von über 1,3 Volt zersetzt wird. Dabei kommt es zu einer Aufspaltung: An der Anode entsteht nasszierender Sauerstoff (sehr aggressiv) deswegen kommt es sofort zu einer Korrosion der Elektroden und an der Kathode wird Wasserstoff (ab 4% = Knallgas) erzeugt.

Nun gibt es einige Sicherheitsbestimmungen, die auch am Bau einzuhalten sind, weil bei der Zersetzung von Wasser auch Wasserstoff entsteht. Dieses Gas ist leichter als Luft; es muss dafür gesorgt werden, dass diese Räume ausreichend be- und entlüftet werden. Diese Anlagen unterliegen auch den Bestimmungen der VDE-Vorschriften.

Aber all dies interessiert die Vertreiber solcher Anlagen offenbar nicht. Doch keine Patentanmeldung, auch keine goldene Erfindermedaille von der Messegesellschaft „X“ und erst recht kein Referenzschreiben des Herrn Pfarrer „Y“ aus „Z“ kann Fakten aus der Welt schaffen. Ebenso wenig hilft eine schöne Urkunde mit einer sehr langen Gewährleistungszeit.

Viele Firmen sind sich ihrer unlauteren Machenschaften sehr wohl bewusst – und profitieren von der mangelnden Sachkenntnis vieler, insbesondere auch älterer Hausbesitzer. Überraschungen sind also nicht ausgeschlossen.

3.9.2 Was Betroffene zur Elektroosmose sagen.

Geräte zur Elektroosmose sind ja nicht gerade billig. Einschlägige Anbieter scheinen das alte Prinzip “Was nichts kostet, das taugt auch nichts”, buchstabengetreu zu beherzigen. Trotz vieler “Referenzen” der Anbieter ist es uns bisher nur gelungen, telefonische Statements von einigen der angeblich so zahlreichen und begeisterten Fangemeinde zu bekommen. Ortstermine wurden beim nachhaken zumeist mit der Begründung abgelehnt, ein gegebnenes Wort müsse schließlich reichen. Ein Schelm, wer sich böses dabei denkt, vielleicht ist die Elektroosmosegemeinschaft ja auch nur ein eingeschworenes und aufrichtiges Völkchen. Dabei hatten wir es einige Jahre auch belassen. Zufällig hatten wir im September 2010 ein böses Netzwerkproblem und brauchten einen ausgewiesenen IT- und Netzwerkspezialisten. Auf diesem Weg bekamen wir unter anderen auch Kontakt zu Herrn Muchau, aus Roßlau, der im Jahr 2006 den Versuch untrernommen hat, mit Hilfe eines Elektroosmosegerätes den Keller seiner Schwiegereltern trocken zu legen. Nachdem der Keller im Jahr 2007 immer noch sicht- und fühlbar feuchgt war und der “Hersteller” zu einer einfachen, und zu dem Zeitpunkt schon insolventen Vertriebsfirma mutiert war, hat ihm dann eine Baufirma aus Chemnitz den Keller wirklich trocken gelegt. Wir dürfen Herrn Muchau an dieser Stelle ausdrücklich mit den Worten zitieren: “Das einzige was spürbar austrocknete, war mein Konto.” Natürlich handelt es sich hierbei auch nur um eine private Meinungsäußerung die nicht repräsentativ ist, oder als Tatsachenbehauptung angesehen werden kann.

3.9.3 Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

Während bei mechanischen Trennungen eine sofortige Kontrolle des Erfolges (Motto: „Was abgeschnitten ist, wird auch trocken“) nachvollziehbar ist, ist dies bei Injektionsverfahren nicht so einfach möglich.

Bei homogenen Baustoffen funktionieren diese Verfahren im Labor meistens gut. Am Objekt ist eine Überprüfung des Erfolges oft erst Jahren möglich, bei ungeeignetem Einsatz leider auch der Misserfolg.

3.10 Das Experiment.

Ob diese so oft zitierte Kapillareffekt wirklich so funktioniert wie uns geschickte Werbung immer Glauben machen will, können Sie am Besten in einem kleinen Experiment selbst nachprüfen:

Nehmen Sie zwei Schwämme von ca. 10 x 15 cm, die Dicke spielt keine Rolle. Einer muss sehr feinporig sein um den Mauerstein zu simulieren, der andere, sehr grobporige, stellt den Mörtel dar (z. B. Insektenschwamm). Nehmen Sie eine Schale mit einer ausreichenden Grundfläche und füllen ca. 5 cm Wasser ein. Nun stellen Sie beide Schwämme aufeinander, den Feiporigen zu unterst und warten ab. Wenn Ihnen nach einigen Tagen oder Wochen dann langweilig geworden ist, weil der grobe Schwamm immer noch trocken ist, bauen Sie das Experiment doch einfach einmal in umgekehrter Reihenfolge auf.

Ob Haushaltsschwamm, Baustoffe oder andere Materialien, die Gesetze der Physik gelten für alle gleichermaßen.

4. Kellersanierung, nachträgliche Verfahren gegen Erdfeuchte.

4.1 Einleitung

Wenn die Feuchtigkeit von außen kommt, ist vor der Kellersanierung zuerst einmal die Art der Belastung genau zu analysieren. Der im Volksmund übliche Begriff Druckwasser ist in den meisten Fällen tatsächlich unzutreffend. Zu unterscheiden sind u. a. folgende Lastfälle: Drückendes Wasser auf Grund von permanent zu hohem Grundwasser, drückendes Wasser auf Grund von zeitweise zu hohem Grundwasserspiegel (sog. Schichtwasser), drückendes Wasser auf Grund von Kanalschäden oder defekter Dachentwässerungsverrohrung, Staunässe auf Grund einer falsch verdichteten Baugrube oder fehlender, bzw. defekter Drainage oder einer Lehmschicht unter dem Fundament, einsickerndes Wasser (z. B. durch eine defekte Hohlkehle oder eine defekte Außenabdichtung) oder handelt es sich lediglich um „normale“ Erdfeuchte.

Wann wurde der Keller mit welchen Baustoffen gebaut (z. B. Ziegel, diverse Natursteine, KLS, Betonsteine, Beton, etc.)? Von welcher Beschaffenheit sind Fundament und Bodenplatte?

Sind der Lastfall und die Gebäudedaten nun bekannt, spielt die Nutzung der Räume die entscheidende Rolle bei der Auswahl des Konzeptes zur Kellersanierung. An Kellerräume die bewohnt werden (sollen), sind völlig andere Anforderungen zu stellen, als an reine Nutz- oder Abstellräume.

Eine erfolgreiche und langlebige Kellersanierung ist nicht zuletzt davon abhängig, dass in allen Sanierungsphasen Baustoffe gefunden und verwendet werden, die untergrundverträglich und dem zu erreichenden Ziel angemessen sind.

Generell ist festzustellen, blindes drauflos sanieren nützt dem Unternehmer, schadet dem Geldbeutel des Bauherren und fügt dem Gebäude oft schwere, manchmal irreparable Schäden zu. So manch fehlgeschlagene Sanierung hat sich in der Folgezeit zur Dauerbaustelle entwickelt.

Auf Heimwerkerlösungen sollte wegen der komplizierten Zusammenhänge ganz verzichtet werden. Alle Baumarktprodukte versprechen zwar umfangreiche Garantien und Gewährleistungen, in der Praxis muss der Anwender aber nachweisen, dass er den Untergrund richtig beurteilt und die Produkte fehlerfrei verarbeitet hat. Das wird ihm nicht gelingen.

Auf Grund der Vielfalt der Abdichtungssysteme werden nachstehend die Verfahren, die bei der Sanierung von Altbauten gebräuchlich sind, benannt und kritisch hinterfragt. Auch hier bietet der Markt wieder eine Vielzahl ungeeigneter Systeme.

Geeignete und ungeeignete Verfahren:

4.2 Kellerbadichtung von außen.

Die kürzlich überarbeitete, aber trotzdem schon wieder recht betagte DIN 18195 benennt Verfahren zur Abdichtung von erdberührten Bauteilen und gibt zudem vor, wann z. B. eine Drainage zu verlegen ist. Das in der Praxis wohl gebräuchlichste Verfahren der Kellerabdichtung ist die sog. „Schwarze Wanne“, bei der bituminöse Dichtbahnen oder kunststoffmodifizierte bituminöse Dickbeschichtungen auf das freigelegte, instand gesetzte und i. d. R. neu verputzte Mauerwerk aufgetragen werden.

Trotz ihrer Überalterung ist diese Vorschrift im Neubaubereich gut anwendbar. Im Bestandsbereich (Altbau) jedoch, und nur darum geht es an dieser Stelle, stellt sich aber zusätzlich das Problem, wo bekomme ich einen DIN-gerechten Untergrund her, um diese Vorschrift überhaupt anwenden zu können? Die Baupraxis zeigt einfach, Fundamente wurden nicht geschalt. sondern häufig einfach in den Boden gegraben, Hohlkehlen fehlen; sie können oft auch nicht hergestellt werden, und auf den Außenwänden finden sich allerlei unbekannte Anstriche. Mal mit, mal völlig ohne darunter liegenden Putz. Die Folgen sind klar: Der Bauherr tappt in eine Nachtragsfalle und muss da tapfer durch – oft mit doppelten oder dreifachen Kosten. So hat er sich seine Kellersanierung besimmt nicht vorgestellt.

Dass er, um seinen Keller endgültig trocken zu legen, meist noch eine Horizontalsperre und oft noch einen neuen Kellerboden braucht, wird dem Bauherrn häufig verschwiegen. Nachdem innen dann auch noch der versalzene und dadurch dauerfeuchte Putz ausgetauscht wurde wähnt sich der zur Ader gelassene Bauherr endlich am Ziel. und wundert sich wenn, verursacht durch Kondensfeuchte, schon nach wenigen Jahren erneut unerklärliche Chromatographieränder und Farbablösungen, sprich Versalzungen einstellen. Das muss nicht zwingend so kommen, ist aber in unbeheizten oder falsch beheizten Kellerräumen recht häufig. Hier war die Kellersanierung als solche vielleicht erfolgreich, aber Wärmebrücken wurden vielleicht nicht beseitigt.

Sofern der Keller ausschließlich als Nutz- und Lagerfläche dient, darf der Sinn einer solchen Sanierung bezweifelt werden.

Echtes Druckwasser ist, wie zuvor schon erwähnt, sehr selten und beruht bei näherer Betrachtung meist auf Schäden am Kanal, der Kanal-Zuleitung oder der im Boden liegenden Dachentwässerungsverrohrung. Umfang und genaue Lage des Schadens sind durch eine Kamerauntersuchung leicht feststellbar, sie können dann gezielt und preiswert beseitigt werden.

Einsickerndes, nicht drückendes Wasser kann in den meisten Fällen kostengünstig auch mit anderen Maßnahmen bekämpft werden. Ein weiteres großes Risiko stellt die sog. „Statische Entlastung“ dar. Beim Aufgraben wird das Mauerwerk vom Druck des Erdreichs entlastet. Dabei können Risse, Verformungen und Schäden auftreten, bis hin zur Abrissreife des gesamten Gebäudes. Schon so manche Kellersanierung endete in solch einem Dasaster.

4.3 Schleierverfahren

Gemeint ist hier ein rasterförmiges Durchbohren der Außenwand und anschließendes Verpressen des Erdreiches mit einem schnellhärtenden Gel (meist Polyacrylate) zur Ausbildung einer außenseitigen, ca. 20cm dicken, flexiblen Abdichtung,

Dieses Verfahren zur Kellersanierung hört sich doch erst einmal gut an, erspart es doch das Aufgraben oder einen vielleicht unsicheren Sperrputz. Der Teufel steckt aber auch hier im Detail. Welcher Bauherr weiß schon womit seine Baugrube verfüllt wurde? Auch wenn es nicht so sein sollte, diente und dient auch heutzutage noch die Baugrube zum Entsorgen von allerlei unbequemen Abfällen. Von Bauschutt über Plastikfolien und Eimer, bis hin zu Autos, beim Aufgraben tritt alles wieder zu Tage.

Von entscheidender Bedeutung ist hier aber, dass sich eine gleichmäßige, homogene Schicht ergibt. Kleinere Steine und Fremdkörper werden zwar eingeschlossen, eine Erfolgskontrolle ist praktisch aber nicht möglich. In vielen Fällen wird mehrfach nachverpresst und irgendwann stellt jemand der wirklich etwas vom Bau versteht fest, dass lediglich eine Versalzung des Mauerwerks vorgelegen hat. Das Geld ist aber zum Teufel.

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich durch ungewollten Materialabfluss durch unzureichend oder ungleichmäßig verdichtetes Erdreich. Durch die hohen Material- und Maschinenkosten in Verbindung mit den genannten Risiken ist von diesem System in vielen Fällen abzuraten. Diese Art der Kellersanierung kann in einzelnen Fällen, zum Beispiel bei lokalen Schadensereignissen aber trotzdem Sinn machen, da so ein gutes Preis- / Leistungsverhältnis erreicht werden kann.

4.4 Gelbe Wanne.

Diese Möglichkeit der Kellersanierung sei hier nur am Rande erwähnt, da sie auf Grund ihrer hohen Kosten in der Praxis eine nur sehr untergeordnete Rolle spiel und im Übrigen auch noch nicht klar geregelt ist. Bei diesem Verfahren werden Kellerwände und Boden komplett mit einer mehreren cm starken Schale aus wasserdichtem Beton versehen. Das Mauerwerk bleibt feucht (unschädlich, da sich die Salze in Lösung befinden) der Keller wird aber nutzbar. Eingesetzt wird dieses Verfahren da, wo Wasser einsickert, eine Abdichtung von außen aber aus technischen Gründen scheitert und Sperrputze keine hinreichenden Erfolgsaussichten mehr bieten können.

4.5 Opferputz.

Opferputz ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für ein sehr traditionelles Verfahren der Kellersanierung und zwar zur Sanierung von übersalzenem Mauerwerk. Der Putz wird aufgetragen und, sobald er seine Aufgabe nicht mehr erfüllen kann, abgetragen und durch einen neuen Putz ersetzt. Dieser Ersatz des Putzes wird als „opfern“ beschrieben.

Bei alten Kellern ohne Vertikalabdichtung (i. d. R. Naturstein- oder Ziegelmauerwerk) werden gelöste Salze mit der Bodenfeuchte durch das Mauerwerk hindurch, an die Wandoberfläche transportiert und verursachen dort u. U. unschöne Ausblühungen. Ein Kalkputz (Mörtelgruppe I) kann in solch einem Fall die Salze aufnehmen. Im Lauf der Zeit kristallisieren immer mehr Salze im Putz, und es stellt sich eine Versalzung ein. Der Putz wird dauerfeucht (Hygroskopie), sandet ab und muss erneuert werden.

Als eigentliche Ursache von übersalzenem Mauerwerk sind in der Regel nicht die „normalerweise“ im Erdreich gelösten Salze zu sehen, dann wäre jeder aus dem Erdreich ragende Naturstein ja auch übersalzen, sondern im Gartenbereich verbaute Baustoffe und Zuschläge wie z. B. Zement, Trass etc. Ursächlich sind also das Hofpflaster, der neue Sockelputz u. v. m. Als weitere Ursachenquelle finden wir auch sehr häufig undichte Klärgruben etc.

Die Haltbarkeit des Putzes hängt von dem Schichtaufbau, der Putzstärke insgesamt, der Menge der nachwandernden Salze, der tatsächlichen Belastung des Mauerwerks durch Erdfeuchte und vielen weiteren Faktoren ab und kann von einigen Monaten bis hin zu Jahrzehnten reichen. Der Vorteil dieser traditionellen Methode ist in der preisgünstigen Ausführung und die kontinuierliche Aufnahme der Mauersalze zu sehen (daher Opferputz).

4.6 Luftkalkputz

Zwar werden nach DIN 1060 acht verschiedene Kalkarten als Bindemittel unterschieden, die alle unterschiedlich abbinden, gemeint sind hier aber die „nicht hydraulisch“ abbindenden Kalkputze. Sie werden im sog. „Dreikornverfahren“ (grobes Korn innen, mittleres Korn in der Mitte und feines Korn außen) aufgebracht. Im Gegensatz zu hydraulisch abbindenden Zement- oder Kalkputzen besitzen sie die Fähigkeit, aufgenommenes Wasser rasend schnell wieder abzugeben. Dadurch trocknen nach einer Wasseraufnahme sie um ein Mehrfaches schneller aus, als die heutzutage üblichen hydraulisch abbindenden Putze.

Da sie durch CO 2 Aufnahme von außen nach innen aushärten (Carbonatisierung), bedürfen sie besonders sorgfältiger Verarbeitung, besonders bei der Kellersanierung. Sie fallen sonst von der Wand. Schichtstärken von mehr als 20 mm in einer Lage sind nicht zu verwirklichen. Generell gilt, je dünner die Schichtstärke, desto schneller die Carbonatisierung.

Auf Grund seiner natürlichen Klima regulierenden und Schimmel verhütenden Eigenschaften bekommt der Luftkalkputz (oft mit puzzolanen Zuschlägen wie Ziegelmehl oder Bauxit) zunehmend auch für Keller, ja sogar die Wohnräume des privaten Bauherren Bedeutung.

Gestrichen mit einer Kalk- oder Kalkcaseinfarbe lassen sich auch anspruchsvolle Gestaltungswünsche erfüllen.

Die Entscheidung, ob ein Luftkalkputz der „Reinen Lehre“ oder einer mit Zuschlägen eingebaut werden soll, kann nur der Fachmann beantworten. Kalkputz ist nicht für alle Untergründe gleichermaßen gut geeignet. Von eigenen Rezepturen oder eigenen Verarbeitungsversuchen muss dringend abgeraten werden.

4.7 Entfeuchtungsputz

Wie schon unter 2.2.7 erwähnt, ist bei der Kellersanierung von solchen Putzen Abstand zu nehmen. Das gilt insbesondere natürlich für Kellermauerwerk mit einer fehlenden oder defekten Vertikalabdichtung. Sofern sie Ihre zum Teil unbewiesene Wirkung tatsächlich entfalten sollten, würden sie dann tatsächlich für einen permanenten Nachtransport von Feuchte hinein ins Bauwerk sorgen.

4.8 Sanierputz

Wenn von Sanierputz die Rede ist, sind meist Putze nach WTA (z. B. Blatt 2-2-91) gemeint. Neben Bindemitteln wie Zement enthalten diese Putze auch (i. d. R. organische) Zuschläge zur Hydrophobierung (Wasserabweisung). Sie sollen die Wand nicht austrocknen, sondern lediglich den Feuchteüberschuss in Dampfform nach außen leiten. Die Wand dahinter bleibt feuchter, damit die Salze in Lösung und das Mauerwerk wird so nicht beschädigt.

Zudem verfügt ein Sanierputz über ein sehr hohes Porenvolumen zur Einlagerung der von der Mauer doch abgeschiedenen Salze. Denn an den Stellen wo Feuchtigkeit verdunstet, scheiden sich natürlich Salze ab. Nach und nach werden so die Poren gefüllt und am Ende verliert der Sanierputzutz seine regulierenden Eigenschaften und muss ausgetauscht werden.

Je nach Putzstärke und Belastung kann das durchaus bis zu 30 Jahre dauern. Diesen Putzen zu Eigen ist oft eine bemerkenswert schlechte Anfangshaftung. Sie benötigen daher einen exakt aufgebrachten Vorspritzbewurf, damit sich keine Hohlstellen bilden. Dort können sich sonst (manchmal schon nach 2 – 3 Jahren) dicke Versalzungen bilden, die nicht nur das darunter liegende Mauerwerk durch ihren Kristallisationsdruck schädigen, sondern auch den Sanierputz von der Wand sprengen. Insbesondere in der Denkmalpflege hat dies schon zu großen Schäden geführt.

4.9 Sperrputz

Sperrputz wird oft irreführend als Sanierputz oder lsolierputz angeboten. Sperrputze stellen aber nur eine Wasser sperrende Schicht dar, die keine Feuchtigkeit von außen einlässt, aber auch keine oder nur äußerst geringe Dampfdiffusion nach außen ermöglicht. Sperrputze sind harte, spröde Zementputze, die bei Bauwerkssetzungen zu Rissbildung neigen. Risse stellen aber die Wirksamkeit der Sperrschicht insgesamt in Frage. Bei der Kellersanierung macht der Einsatz in Kellern aus Naturstein- oder Ziegelmauerwerk oft keinen Sinn.

Wird der Sperrputz auf Mauern aufgebracht die einsickerndem Wasser ausgesetzt sind, müssen auch die angrenzenden Innenwände mit verputzt werden, damit das Wasser nicht an anderen Stellen austritt. In der Regel werden die Wände vollständig, d. h. vom Fußboden, bis zur Decke verputzt. Mindestens aber bis ca. 30 cm oberhalb der Erdreichkante. Ein oft beschworenes Argument gegen den Einsatz von einem Sperrputz gehört in das Reich der Märchen: Die Feuchte steigt nicht wesentlich über die Erdreichkante hinaus und somit führt sie auch nicht zu Schäden im Erdgeschoss.

Es gibt zwar Sperrputze, die einer Druckbelastung von bis zu 1,5 bar widerstehen, in der Praxis hält aber der Untergrund den hier zu stellenden Anforderungen hinsichtlich der Zugfestigkeit auf Dauer kaum stand.

4.10 Fliesen

Auch mit Fliesen kann eine Kellersanierung unter bestimmten Vorraussetzungen funktionieren. Da es sich um kein zugelassenes oder empfohlenes Verfahren handelt, sei es hier aber nur am Rande erwähnt. Damit die Sanierung des Kellers nachhaltig erfolgreich ist, darf am Mauerwerk nur Erdfeuchte anliegen und keine Druck- oder Schichtwasserlage bestehen. Die Fliesen selbst sollten nach Möglichkeit dampfdicht sein, also glasiert und nicht engobiert. Die Unterschiede der Fliesen sind hier kurz und prägnant dargestelt.

4.11 Kellersanierung mit dem Folienverfahren.

Wenn aus einem alten, Keller neuer Wohnraum geschaffen werden soll und eine Außenabdichtung aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht erfolgen kann und keine echte Druckwasserbelastung vorliegt, kann dieses Verfahren der Kellersanierung zum Einsatz kommen:

Eine dampfdichte, stabile Noppenbahn wird von innen vollflächig auf alle Wände aufgedübelt und an den Überständen verklebt, bzw. verschweißt. Sie dient gleichzeitig als Putzträger.

Hinter dieser Abdichtung bleiben die Salze im Mauerwerk in Lösung und können das Mauerwerk somit nicht schädigen. Dringt einmal Sickerwasser ein, kann es hinter der Bahn in eine Drainage ablaufen und über einen Pumpensumpf abgeführt werden. Anschließend wird z. B. mit einem Sanierputz (vgl. 3.3.7) verputzt.

Diese Art der Kellersanierung stellt die nötige Trockenheit für die Nutzung her Es kommt zu keiner statischen Entlastung durch Aufgraben und alter Putz kann häufig an der Wand verbleiben.

Über ein Doppelsystem können die erdberührten Wände mit einem Spezialdämmstoff zusätzlich wärmegedämmt und somit ein behagliches Klima geschaffen werden.

5. Zu den Risiken

5.1 Erschütterungen, Setzungen, Rissbildungen.

Ein Verfahren, das hundertprozentig gegen alles hilft und dazu noch außerdem preisgünstig ist und keinen Eingriff in das Mauerwerk notwendig macht, gibt es leider nicht. Es werden immer Kompromisse zu schließen sein. Entscheidend dabei sind immer Aufwand und das angestrebte Ergebnis.

Sei es, es müssen Chromstahlplatten eingetrieben, Löcher gebohrt oder Alter Putz von den Wänden geschlagen werden, wo immer gearbeitet wird, gibt es auch Erschütterungen des Mauerwerks. Auch das Sägeverfahren ist nicht erschütterungsfrei.

So ist bei jeder, wie auch immer gearteten, Sanierung generell mit der Bildung von weiteren Rissen zu rechnen. In Der Regel stellen diese für den Baukörper aber keine wirkliche Gefahr dar.

Auch kleine Risse an einem Gebäude stellen sicherlich einen Schaden dar, jedoch darf man das nicht überbewerten. Wer sich seinen Altbau einmal gründlich ansieht, wird schnell in Sturzbereichen, in Fenster- oder Türnähe, am Ringanker und vielen anderen Stellen fündig werden. Eine Gefahr ist damit im Regelfall aber nicht verbunden.

5.2 Bewertung der Erschütterungen

Wer heute einem Bauherren einzureden versucht, dass ausgerechnet sein Verfahren erschütterungsfrei sein soll, macht vielleicht keine korrekten Angaben.

Wenn Sie mit Anbietern darüber diskutieren, welche Verfahren der Kellersanierung letztlich sicher sind, werden Sie schnell feststellen, dass die Argumente der meisten Verkäufer darauf abzielen, nur ihre Verfahren seien gut, während sie alle anderen Verfahren und Firmen jedoch negativ bewerten. Diese seien zu teuer, führen zu Erschütterungen, sie beschädigten das Haus, es gäbe Risse usw.

Größte Vorsicht ist sicher gegenüber solchen Anbietern geboten, deren Argumentation nur auf langjährige Garantie aufgebaut ist und die mit eindrucksvollen Urkunden werben.

5.3 Gefahr im Wohnrtaum: Schimmel.

Immer noch zu kurz kommen die Gefahren, die mit dem Schimmel einhergehen. Immerhin können sich ca. 250 Arten in unseren Behausungen einnisten. Sobald Sie irgendwo „Stockflecken“ sehen oder einen muffigen Geruch bemerken oder des Öfteren an unerklärlichen Krankheitssymptomen leiden, nehmen Sie es nicht auf die leichte Schulter. Ziehen Sie einen Fachmann zu Rate und beauftragen Sie eine Fachfirma mit einer giftfreien Sanierung. Ohne Hausmittelchen, ohne Chlorbleichen und ohne Antischimmelfarbe o. ä. Was aus den Chemieküchen auch immer gegen Schimmelpilze hilft, es wirkt auch gegen uns Menschen und das nicht zu knapp. Man sollte den Teufel nicht mit dem Beelzebub austreiben und Omas Hausmittel wie z. B. Essig schaden dem Schimmel nicht, sondern nähren ihn vortrefflich.

6. Kellersanierung: Die Wahl des besten Verfahrens.

Eine alte Volksweisheit sagt: Wenn man drei Baufachleute zu einem Problem befragt, erhält man vier Meinungen. Da ist was dran, nicht nur bei der Kellersanierung. Zum einen muss sich ein Betrieb stark spezialisieren um im Preiswettbewerb seine Leistungen zu einem akzeptablen Preis anbieten zu können, zum anderen leben wir in einer Zeit schneller dynamischer Veränderungen und kaum einer kann noch alles wissen. Das gilt besonders für den Baubereich. Das über Tausende Generationen erlernte baupraktische Wissen war auf einmal nichts mehr Wert. Jemand hatte eine Phantasie, sie hörte sich erst einmal plausibel an und seitdem redet alles über aufsteigende Feuchte. Ein anderer hatte eine andere Idee, auch das hörte sich plausibel an und seitdem werden Keller nicht mehr mit Kalk- sondern mit Dispersionsfarbe gestrichen. In der Folge aller Neuerungen ist der Schimmelbefall in unseren Häusern so hoch wie nie. Namhafte Baubiologen sprechen von fast der Hälfte der Bausubstanz. So wird wenig Feuchte in einem Nutzkeller, in Verbindung mit so genannten modernen (schimmelanfälligen) Baustoffen, fast über Nacht zur ernsthaften Gefahr für die Volksgesundheit.

Bei der Kellersanierung ist von den möglichen Verfahren also das auszuwählen, das dem Lastfall gerecht wird und einer erneuten Verschimmelung keine Chance bietet. Und es soll lange halten. Gar keine Frage, einen Keller fachgerecht zu sanieren kostet Geld, unter Umständen sogar viel Geld. Die endgültigen Kosten einer Sanierung können natürlich erst dann projektiert werden, wenn sich ein bestimmtes Verfahren als wirklich geeignet erwiesen hat. Meist ist das nun nicht gerade billig und nur wenige Hausbesitzer haben gleich mehrere Tausend oder Zehntausend Euro einfach so herumliegen. Oft genug sind die Hypotheken gerade ausgelaufen und es wird schon wieder eine neue Baufinanzierung fällig. Das ist ärgerlich und manche neigen deswegen dazu, am falschen Ende zu sparen, aber spätestens nach dritten erfolglosen Sanierungsversuch werden sie dann entweder schlau, oder geben völlig frustriert auf.

Der beste und sicherste Weg ist immer noch der, der neutralen Bauberatung eines mit dieser Thematik sehr erfahrenen Unternehmens. Es ist keine Frage, Bauberatung kostet Geld. Niemand stellt sein Wissen umsonst zur Verfügung. Ein wenig Geld, investiert in Beratung und Analyse und das geeignete Verfahren ist vom Fachmann schnell gefunden. Es erspart teure Fehlsanierungen.

Selbst wenn zwei Häuser in der gleichen Straße die gleichen Schäden aufweisen, muss es lange noch nicht die gleiche Ursache haben.

7. Ein kommender Beruf? Fachingenieur für Altbauinstandsetzung.

Nachdem der Handlungsbedarf erkannt wurde, wird leider erst seit wenigen Jahren in den Fachhochschulen auf die chemischen und physikalischen Aspekte der Altbausanierung eingegangen. Der Erfahrungsschatz ist also noch eher spärlich. Bis das Märchen von der aufsteigenden Feuchte ausstirbt, kann es wohl noch etwas dauern. Mauertrockenlegung ist nicht wirklich einfach.