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Schimmelpilz

Was ist ein Schimmelpilz?

Schimmelpilze sind ein natürlicher Bestandteil unserer belebten Umwelt und haben als Destruenten die wichtige Funktion, organische Substanzen zu zersetzen.

Wie andere Pilze auch, gehören Simmelpilze zu den ältesten Lebensformen überhaupt. Daraus zu schließen, sie wären vergleichsweise primitive Organismen, hat sich als fataler Irrtum herausgestellt. Durch seine überaus lange, mit Bakterien vergleichbare Entwicklungszeit, konnte sich der Schimmelpilz an nahezu alle Lebensbedingungen perfekt anpassen. Um zu überleben haben sie lernen müssen gegen alles und jeden die nötigen Abwehrmechanismen (Allergene und Mykotoxine) herzustellen. Mit Recht zählt man den Schimmelpilz heutzutage mit zu den erfolgreichsten Lebensformen auf unserem Globus.


Die meisten Schimmelpilze führen ein recht unauffälliges Dasein und werden von uns Menschen gar nicht wahrgenommen. Einige jedoch siedeln sich in bestimmten ökologischen Nischen an und rücken beispielsweise als Humanparasit, Quelle für Arzneimittel, Erzeuger von Pilzgiften in Nahrungsmitteln sowie auch als Nahrungsmittelveredler, wie z.B. Weiß- und Blauschimmel auf Salami und Roquefort in unseren Fokus.


Woran erkennt man einen Schimmelpilz?

Den Schimmelpilz erkennt man als faserigen, flockigen oder staubigen, weißlichen, grauen, bläulich-grünen, gelblichen, rötlichen, bräunlichen oder schwärzlichen Belag auf den verschiedensten Substraten. Etwas vergrößert, sieht aus wie ein kleines Wäldchen. Dieses Wäldchen ist aber nur der kleinste Teil des gesamten Organismus. Der weitaus größere Teil, das Pilzgeflecht (Mycel) erstreckt sich über die gesamte befallene Fläche und besteht aus einer fadenähnlichen Struktur aus mikroskopisch kleinen millionenfach verzweigten Pilzfäden (Hyphen). Durch dieses Geflecht kann sich der Pilz extrem schnell ausbreiten und sogar trockene Stellen überwuchern.

Erst wenn dieses Geflecht groß und kräftig genug ist, bildet es diese waldähnliche Oberfläche, sie besteht aus millionen kleiner Sonderhyphen die im 90° Winkel aus dem Mycel heraus wachsen.

Der Schimmelpilz scheidet Stoffwechselprodukte aus, die bei einigen Arten giftig sind, man bezeichnet sie als Mykotoxine. Weiterhin scheiden Schimmel so genannte MVOCs (microbial volatile organic compounds) aus, auch sie können unter Umständen extrem giftig sein. Andere Bestandteile des Pilzes wie seine Zellbestandteile und Sporen können ebenfalls von harmlos über lästig, allergieauslösend, bis extrem giftig sein.


Welche Krankheiten werden durch Schimmelpilz verursacht?

Hier einige Symptome und Krankheitsbilder, die durch eine Belastung mit Schimmelpilzen augelöst werden können:
  • Kopfschmerzen,
  • Schwindelgefühle,
  • Übelkeit,
  • Konzentrationsschwächen,
  • Müdigkeit,
  • Haarausfall,
  • grippeähnliche Symptome,
  • Störung der unteren Atemwege (Bronchitis, Asthma, chronischer Reizhusten, Atembeschwerden),
  • Hautreizungen, nässende Hautentzündungen,
  • gerötete und geschwollene Gesichthaut,
  • Augenbeschwerden,
  • konstitutionellen Beschwerden (Grippegefühl, Muskelschmerzen allgemeines Unwohlsein),
  • Veränderung des weißen Blutbildes,
  • Nasenbluten und sogar Lungenbluten,
  • Störung der Immunabwehr,
  • entzündliche und blutende Lungenerkrankungen bei Säuglingen,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • Stachybotryose sowie
  • Aspergillose.

Vorstehende Aufzählung stellt lediglich einen kleinen Auszug aus den derzeit bekannten Syptomen und Erkrankungen dar, die durch Schimmelpilze hervorgerufen werden können. Die Liste ist fast beliebig erweiterbar. Darüber hinaus können Vergiftungen mit Mykotoxinen zu anderen Erscheinungen führen. Es sind Fälle bekannt, bei denen es binnen weniger Stunden sogar zum Tode führte.


Schimmelpilz, welche Gattungen  gibt es?

Im wesentlichen werden folgende Gattungen von Schimmelpilzen unterschieden:

Alternaria

Aspergillus (Gießkannenschimmel)

Aureobasidium

Botrytis

Chaetomium

Cladosporium

Claviceps

Curvularia

Dematiaceae (Schwärzepilze)

Eurotium

Fusarium

Monilia

Mucor (Köpfchenschimmel)

Mycelia sterilia

Neurospora

Paecilomyces

Penicillium (Pinselschimmel)

Phoma

Rhizopus (Brotschimmel)

Scopulariopsis

Stachybotrys

Stemphylium

Trichoderma

Ulocladium

Wallemia

 

Vorstehend sind nur die wichtigsten Gattungen genannt. Viele Regionen der Erde sind diesbezüglich noch fast unerforscht. Die Gesamtzahl der Schimmelpilzarten, inklusive aller Unterarten lässt sich noch nicht einmal schätzen. Geht man aber davon aus, dass in Europa, Nordamerika Teilen von Asien und Afrika mittlerweile ca. 50.000 verschiedene Schimmelarten bestimmt wurden (verlässliche Zahlen gibt es leider nicht), kommen aber leicht mehrere hunderttausend zusammen.

In Westeuropa sind mittlerweile mehr als 250 Arten bekannt. die sich bevorzugt im menschlichen Wohnbereich ansiedeln. Aber auch hier kann von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen werden, diese Liste wächst kontinuierlich und schnell.

Jahre lang wurde Wohnraumschimmel eigentlich nicht recht ernst genommen. Und Obwohl die Forschung im Grunde genommen noch in den Kinderschuhen steckt, werden nahezu täglich neue Schimmelgifte isoliert.

Der direkte Zusammenhang zwischen Schimmel und Allergien gilt heute als faktisch erwiesen. Schwierig ist allerdings der Nachweis einer Schimmelallergie, es müssten hunderte verschiedener Substanzen getestet werden. Und das sind nur die bekannten; faszinierend ist nämlich auch die Eigenschaft vieler Schimmelpilze, je nach Untergrund andere Eigenschaften zu entwickeln.

So kann derselbe Schimmelpilz, der auf dem Substrat Dispersionsfarbe vergleichsweise „harmlose“ Allergene produziert, plötzlich auf dem Substrat Siliconharzfarbe tödlich giftige Mykotoxine bilden. Die tatsächliche Gefährlichkeit vieler Schimmelarten kann also auch davon abhängig sein, auf welchen Untergrund sie wachsen.


Was kann man gegen Schimmelpilze tun?

Schimmelsanierung ist eines der Schlagworte der heutigen Zeit. Das Geschäftspotential hat eine Vielzahl von Anbietern erkannt.

Ob Tüv, Handwerkskammern, Hersteller oder andere Organisationen: Lehrgänge und Seminare zur „fachgerechten“ Schimmelbekämpfung stehen gerade hoch im Kurs. Für eine Seminarteilnahme regnet es Teilnahmebescheinigungen, Zertifikate, Gütesiegel und Stempel. Oft genug handelt es sich um Augenwischerei, bei der dem Verbraucher lediglich signalisiert werden soll, die Antischimmelfarbe „X“ oder „Y“ wäre das Allheilmittel bei der Schimmelsanierung.

Schwer vorstellbar, dass Seminare mit einer Dauer zwischen wenigen Stunden bis hin zu höchstens einer Woche einen Maler oder Bautenschützer in die Lage versetzen können, bautechnische, bauphysikalische oder baubiologische Zusammenhänge nicht nur sach- und fachgerecht zu beurteilen, sondern auch gleich die „richtige“ Sanierungslösung anzubieten uns auch selbst durchzuführen. Und das bei einer Auswahl von mehreren Hundert.

So wird aus der fälligen Kellersanierung dann schnell mal ein einfacher Anstrich und die Feuchtigkeit im Bereich einer Wärmebrücke wird durch „Überpinseln“ ignoriert. Ursachenermittlung - Fehlanzeige!

Ist der Putz durch Kondensatbildung lediglich versalzen, also voller Salpeter , wird schnell aufsteigende Feuchtigkeit diagnostiziert und auf Teufel komm raus saniert, verpresst, getrocknet oder anderer Unfug angestellt.

Verschiedene Kellerarten , verschiedene Bauweisen und viele mögliche Ursachen. Und zu jeder Ursache mehrere Anbieter, oft mit mehreren Sanierverfahren. Jede Schimmel- oder Feuchtesanierung sollte daher mit einer qualifizierten und vor allen Dingen auch neutralen Bauberatung anfangen.

Eine erfolgreiche und damit auch nachhaltige Schimmelsanierung sollte auch immer das Erkennen und Abstellen der Ursache der Feuchtigkeit beinhalten. Manchmal hilft nur eine große Lösung, manchmal reicht schon ein Anstrich mit einer Mineralfarbe. Es kommt auf den Einzelfall an.

Nicht nur der Laie ist hier eindeutig überfordert.


Wovon ernährt er sich Schimmelpilz und wo siedelt er sich an?

Jeder Schimmelpilz ernährt sich von auf Kohlenstoff basierenden organischen Verbindungen, diese werden gespalten und verwertet, dass ist dann der Zersetzungsprozess. Das heißt, für jede Materie, die auch nur Spuren von organischen Bestandteilen hat findet sich auch mindestens ein passender Schimmelpilz der sich davon ernähren kann. Voraussetzung ist natürlich, dass die Wachstumsbedingungen wie Feuchtigkeit, pH-Wert und Temperatur erfüllt sind.

In jedem Haushalt gibt es unzählige Stellen, die als Nährboden für Schimmelpilze in Betracht kommen, es sind nicht nur Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Brot oder sonstige Nahrungsmittel. Sondern auch Papier, Tapeten, Gipskartonplatten, Bücher, Verpackungen, Textilien, Leder, organische Farbanstriche und Putze wie Dispersionsfaben und kunstharzgebundene Putze sowie Silikonfugen im Bad und viele, viele mehr.


Welche Bedingungen braucht er zum Wachstum?

Feuchtigkeit ist bekanntlich das wichtigste klimatische Element, dass ein Schimmelpilz zum wachsen braucht. Jedoch muss der Nährboden nicht zwingend nass sein, es reicht schon eine recht hohe Luftfeuchtigkeit ab 80% und der Organismus gedeiht ohne jemals einen Tropfen Wasser aus dem Untergrund zu benötigen.

Auch die Temperaturspanne ist weit gesteckt, so fangen die meisten Arten ihr Wachstum ab 5-7°C an und können sich bis hin zu 40°C frei entfalten. Die optimale Temperatur liegt bei ca. 25-30°C. Es gibt aber auch Arten, die wachsen schon ab einer Temperatur von ca. 1,5°C.

Der pH-Wert liegt optimal zwischen 4,5 und 6,5, allerdings können einige Arten auch ab einem Wert von 1,5 bis hin zu 8,5 wachsen.

Sauerstoff wird nur in sehr geringen Mengen benötigt und Licht überhaupt nicht.

Sofern diese Werte sich stark verändern und in Grenzwerte kommen, in denen der Schimmelpilz nicht mehr wachsen kann, stellt er sein Wachstum zwar ein, stirbt aber keinesfalls ab.

Wie pflanzt sich Schimmel fort?

Jeder Pilz bildet unzählige Samen und mit jedem Luftzug werden dann Millionen dieser Sporen verbreitet. So auch beim Schimmel. Sofern sie auf einem als Substrat geeigneten Untergrund auftreffen und die klimatischen Rahmenbedingungen stimmen, können sie Ihrerseits ein Pilzgeflecht bilden und auf dieselbe Art und Weise wieder Sporen auf die Reise schicken, so kann sich ein Schimmelbefall extrem schnell ausbreiten.

Wie gefährlich ist Schimmel wirklich?

Die klarste und eindeutigste Aussage die man hierzu treffen kann ist wohl: Es kommt darauf an.

Fakt ist, Schimmelpilze begleiten uns seit dem Anfang unserer Entwicklung und solange die draußen vorhandene natürliche Konzentration an Sporen und Mycelteilen nicht überschritten wird, sind sie für kaum jemanden eine echte Gefahr.

Fakt ist aber auch, das Wachstum von Schimmel führt in Wohnräumen zu einer erhöhten Konzentration von Sporen, aber auch von Mycelteilen in der Atemluft. Es ist wie bei anderen Sachen auch, es kommt auf die Dosis an.

Allerdings reagieren nicht alle Menschen gleichermaßen. Wo einige zum Beispiel schon unter schwerem Asthma leiden, haben andere „nur“ Schlafstörungen und manchen fehlt augenscheinlich nichts.

Auch die Art des Schimmels ist entscheidend. Stachybotrys chartarum ist nicht nur einer der Schimmelpilze, die am häufigsten in Wohnungen nisten, zusammen mit dem Aspergillus niger oder dem Aspergillus flavus besitzt er auch ein extremes Gefahrenpotential. Er kann sogar den Menschen besiedeln. Immungeschwächte Personen, Kleinkinder oder Ältere sind besonders gefährdet.  Insbesondere ist nachgewiesen, dass etliche Arten des Aspergillus derart toxisch sind, dass schon wenige Nanogramm zum Tode führen können. Neben dem oft zitierten Fluch des Pharao sind eine Vielzahl weitere Fälle nachgewiesen. Schimmel besitzt ein schier unglaubliches Gefahrenpotential.

Es gibt zum Beispiel auch Schimmelpilze, die entwickeln ihr Gefahrenpotential erst dann, wenn sie z. B. durch Trockenlegung abgestorben sind. In dem Moment fangen sie an sich zu zersetzen und diese Abbauprodukte können zum Teil hoch giftig oder allergieauslösend sein.

Nun ist nicht jedermann, der an unklaren Symptomen leidet, gleich ein Schimmelallergiker, aber doch sehr viele. Hochgerechnet leiten aber schon heute ca. 10 Millionen Bundesbürger an einer Schimmelallergie. Einige Mediziner benennen die Dunkelziffer noch einmal mit 20 Millionen.

Diese Ergebnisse würden dann allerdings mit den Angaben führender Baubiologen übereinstimmen, die besagen, dass mittlerweile fast die Hälfte der Bausubstanz ein (zumeist unsichtbares) Schimmelproblem hat.

Wer also längerfristig unter unklaren Beschwerden leidet, sollte Schimmelpilze auf jeden Fall mit als Ursache in Betracht ziehen. Auch dann, wenn er nichts Verdächtiges sieht oder riecht. Ratsam ist dann zuerst der Gang zu einer Bauberatung oder einer Umweltapotheke. Umweltapotheken sind unter anderem auf Wohngiftanalysen spezialisiert und zudem in der Analytik vergleichsweise preiswert.

Ob auch in Ihrer Nähe eine Umweltapotheke ist, erfahren Sie hier.


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